Maria klopfte an das große Tor. Das dumpfe Pochen von dem schweren Eisenring hallte ins Gebäude. Nach einer Weile öffnete sich das Tor einen Spalt.
"Was gibt's?"
Eine Magd in ihrem Alter lugte durch die Öffnung.
"Ich habe einen Auftrag."
"Der wäre?"
Der Kopf der Magd kam jetzt ganz durch die Tür. Ihre weiße Haube flatterte etwas im Zug, der in das dunkle Innere blies.
"Ich habe drei Taschen für deinen Herren."
Die Tür fiel hinter Maria zu. Es war dunkel und sie sah wenig. Erst als die zwei Frauen durch eine weitere Türe gegangen waren, fiel dämmriges Licht vom Innenhof herein. Die Magd führte Maria in den ersten Stock. Als sie die Treppen nach oben stiegen hörte Maria ein Lärmen, das immer lauter wurde.
"Hier! Da sind sie drinn."
Die Magd deutete auf eine Türe und im selben Augenblick war sie verschwunden. Maria lauschte eine Weile den Geräuschen, die aus dem Inneren des Raumes kamen.
Sie drückte die Klinke nach unten und die Türe ging mit einem leichten Quietschen auf.
In dem Raum saßen etwa ein Duzend Leute, die fröhlich tranken, erzählten und feierten. Niemand bemerkte Maria als sie eintrat. Die lange Tafel wurde von etlichen Kerzen erhellt, die darauf standen oder an den Wänden und im Krohnleuchter flackerten. Der große Tisch war reichlich gedeckt und die silbernen Becher und Schalen funkelten. Fasziniert sah Maria zu den Platten und Tellern, die reichhaltig beladen waren. Sie trat näher. Ein Mann an der Stirnseite erzählte gerade mit lauter Stimm und dann begann jeder in schallendes Gelächter zu verfallen. Maria ging zu dem Mann.
"Entschuldigung"
"Hey, was machst du hier?"
Der Mann hatte die Frau jetzt erst bemerkt.
"Wer hat dich hereingelassen?"
Er musterte sie scharf und grinste dann.
"Komm her!"

Teil 5