Es war einmal ein Mädchen. Ein kleines Mädchen mit
braunen großen Augen, roten Socken und keiner Heimat. Dieses Mädchen
hatte beschlossen ihr Zuhause zu verlassen, das eigentlich gar nicht ihr Zuhause
war, und deshalb viel es ihr leicht. Man läuft ja nicht einfach so mir
nichts dir nichts in die große Welt hinaus, um an der großen Luft
zu schnuppern.
Luise wollte nicht schnuppern, sie hatte nur kein Verlangen mehr danach eben
hier zu sein wo sie eben war, obwohl sie noch so jung war und eigentlich nichts
anderes kennen sollte. Ihr Kopf sagte ihr aber:
" Luise es wir langsam Zeit."
Vielleicht klangen die Worte in ihrem Köpfchen wie die Worte von ihrer
Großmutter, die sie sehr gemocht hatte - ein gesundheitliches Leiden
hatte der alten Frau das Leben unerträglich gemacht. Es war ein süßes
Gefühl im Kopf und roch ein bisschen nach Zwetschgenmarmelade.
Sie packte ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und machte sich auf den Weg
ins Ungewisse. Nein, es war ja gar nicht ungewiss, denn sie hatte eine Vorstellung
von dem, wie ihr Leben in der Zukunft sein sollte. Nicht besser und nicht
freier. Anders eben - so dass Luise sagen konnte: "Luise meine kleine
Prinzessin ich hab dich lieb, weil du so bist wie du bist."
Mit flatternden Haaren, roten Bäckchen - da sie eine angenehme Aufregung
in ihrem Herzen hatte - dem kleinen Bündel über der Schulter und
einem Apfel in der Hand, machte sich das kleine Mädchen auf den Weg,
um mit ihren jungen Füßen die weite Welt zu bereisen.
Sie wanderte eine Zeit durch das dämmrige Licht - es war nicht hell,
aber auch nicht dunkel, wovor sie sich hätte fürchten müssen
- und beschloss ihren Apfel unter dem Laufen zu essen, weil sie hungrig war
und keinen schönen Platz zum Rasten gefunden hatte.